#DWD -> #Thema des Tages 2021-10-11: Turbulente Flugreisen

Thema des Tages

Turbulente Flugreisen

Auf vielen Flugreisen ist man "Luftlöchern", sogenannten Turbulenzen,
ausgesetzt. Das schnelle Absinken des Flugzeugs kann ein mulmiges 
Gefühl auslösen. Deshalb soll im heutigen Thema des Tages beleuchtet 
werden, wie Turbulenzen entstehen. 

Bereits am vergangenen Samstag (09.10.2021) wurde das 
Europa-Reisewetter pünktlich zum Herbstferienbeginn einiger 
Bundesländer beleuchtet. Um möglichst schnell zum Urlaubsort zu 
gelangen, bietet sich - je nach Entfernung - durchaus eine Flugreise 
an. Alle, die in ihrem Leben schon einmal geflogen sind, kennen dabei
das aufregende Gefühl beim Start einer Flugreise auf dem Rollfeld, 
wenn die Turbinen aufheulen, das Flugzeug unter großer Beschleunigung
auf das Ende der Startbahn zu rast und der eigene Körper in den Sitz 
gedrückt wird. Dann hebt die Maschine ab, Adrenalin schießt durch die
Adern. Der Blick aus dem Fenster lässt die umliegende Landschaft mit 
zunehmender Höhe rasch kleiner aussehen. Nach wenigen Minuten 
verspürt man dann allmählich eine Beruhigung, die Beschleunigung des 
Flugzeugs lässt nach und der eigene Puls normalisiert sich wieder. 
Die einkehrende "Stille" kann jedoch täuschen. 


Die meisten Flugreisenden werden es schon erlebt haben. Aber nicht 
nur Menschen mit Aviophobie, also der Angst vorm Fliegen, jagt es 
einen Schrecken ein. Die Rede ist von einem Phänomen, das im 
allgemeinen Volksmund als "Luftloch" bezeichnet wird.  Dabei handelt 
es sich allerdings keinesfalls um ein Loch in der Luft, sondern um 
Turbulenzen. Diese Turbulenzen sorgen für ein schnelles Auf- oder 
Absteigen wie bei einer wilden Achterbahnfahrt und können das 
Flugzeug gut durchschütteln. Da der Mensch recht sensibel auf 
Änderungen der Gewichtskraft reagiert, entsteht vor allem beim 
überraschenden Absinken der Maschine ein unangenehmes Gefühl in der 
Magengrube. Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen.
Die schweren Kolosse aus Metall sind konstruiert, um den auf sie 
einwirkenden Kräften standzuhalten. Aber wodurch treten solche 
Turbulenzen in der Luft auf?


In und um Wolken herrschen teils starke Auf- und Abwinde. Durchquert 
nun eine Passagiermaschine eine Wolke mit einer hohen Geschwindigkeit
(diese variiert je nach Flughöhe und Windverhältnissen, in 6 bis 11 
km beispielsweise um und über 800 km/h relativ zur Erdoberfläche), so
erfährt die Maschine rasch aufeinanderfolgende Auf- und Abwinde, die 
sie samt Passagieren gründlich durchschütteln. 


Aber auch in wolkenfreier Luft kann es turbulent zugehen. Bei 
fehlender Luftfeuchtigkeit beispielsweise können Aufwinde auch ohne 
sichtbare Wettererscheinungen in Form von Wolken auftreten. In diesem
Fall spricht man von "Blauthermik". Treffen Luftmassen mit 
unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten oder ?richtungen in größeren 
Höhen aufeinander, kommt es ebenfalls zu Turbulenzen. Meist treten 
diese Arten der Turbulenz überraschend auf, da sie in der Regel keine
sichtbaren Wettererscheinungen mit sich bringen und somit mit bloßen 
Augen nicht sichtbar sind. 


Gebirgszüge wie zum Beispiel die Alpen in Europa, die Rocky Mountains
in Nordamerika oder auch das Himalaya-Gebirge in Asien müssen bei 
Anströmung ihrer Flanken von Luftmassen überquert werden. Dadurch 
kommt es zu einem Aufsteigen der Luftmassen, was selbst in großen 
Höhen noch registriert werden kann. Rückseitig der Gebirge sinkt die 
Luft wieder ab. Überquert also ein Flugzeug einen Gebirgszug, muss 
ebenfalls mit entsprechenden Turbulenzen gerechnet werden.  


Ein weiterer Ort, an dem es zu turbulenten Störungen in der 
Atmosphäre kommt, ist an sogenannten Frontalzonen, also dort, wo 
warme und kalte Luftmassen großflächig aufeinandertreffen. Aktuell 
liegt eine solche Frontalzone quer über Deutschland. Ausgehend von 
Tief "Finn", das vom Norden Skandinaviens in die Barentssee unterwegs
ist, griff in der vergangenen Nacht von Norden her der zugehörige 
Tiefausläufer auf Deutschland über. Dieser trennt die vor allem im 
Süden dominierende kalte und trockene Luftmasse von der wärmeren 
Meeresluft, die nachfolgend von der Nordsee in den Norden und die 
Mitte einfließt. Entlang dieser Frontalzone schiebt sich die warme 
über die kalte Luft. Im Übergangsbereich kommt es dann zu Auf- und 
Abwinden und neben entsprechenden Turbulenzen auch zu etwas Regen 
oder einzelnen Schauern. An der Ostsee sorgt dagegen am Abend und in 
der Nacht kalte Höhenluft für Turbulenzen in Form von Schauern und 
vereinzelten Gewittern. Wenn Sie also heute mit dem Flieger unterwegs
sein sollten, schnallen sie sich an! Der Flug könnte turbulent 
werden.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 11.10.2021

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