#DWD -> Thema des Tages 2021-06-19: Schwergewitter am Wochenende – Was war? Was kommt?

Thema des Tages

Schwergewitter am Wochenende - Was war? Was kommt?

Die schwüle Hitze hat Deutschland fest im Griff. In dieser 
energiegeladenen Luft nimmt die Wahrscheinlichkeit für Gewitter und 
Unwetter im Laufe des Wochenendes immer weiter zu.

Bereits am gestrigen Freitag war es zu spüren: Zur Hitze, die sich 
schon im Laufe der Woche von Südwesten her immer weiter ausweitete, 
kam die Schwüle - zunächst vor allem in der Westhälfte Deutschlands. 
Hinter einer aus den Gewittern über Frankreich und Benelux 
herauslaufenden Böenfront, einer sog. "outflow boundary", wurde 
deutlich feuchtere Luft in die Westhälfte Deutschlands geführt. Diese
zu Tief THANANONT gehörige "Front" blieb schließlich längs über der 
Westhälfte liegen und bildete eine Konvergenzzone, ein Bereich 
großräumig zusammenfließender Winde, in der sich weitere Feuchtigkeit
anreichern konnte. Die Auslöse von Gewittern im Umfeld dieser 
Konvergenz fand allerdings nur lokal und bevorzugt über dem Bergland 
statt. Dennoch brachten die Gewitter vor allem in einem Streifen vom 
Taunus über das Rothaargebirge und Ostwestfalen bis in den Hamburger 
Raum, später auch im Südwesten, räumlich eng begrenzt heftigen 
Starkregen und Hagel. Die größte Niederschlagssumme wurde aus dem 
nordhessischen Diemelstadt mit 43 l/qm in kurzer Zeit gemeldet.
Gegen Freitagabend streiften schwere Gewitter aus den Niederlanden 
schließlich Ostfriesland mit sehr heftigem Starkregen, größerem Hagel
und Sturmböen. 

Auch am heutigen Samstag steht wahrscheinlich zunächst noch keine 
überregionale Unwetterlage ins Haus. Die Konvergenzzone wurde weiter 
süd- und ostwärts gedrückt. Entsprechend findet man die feuchteste, 
energiereichste Luft in einem Bogen vom Südwesten und Süden 
Deutschlands über den östlichen Mittelgebirgsraum und den Osten bis 
zur Ostsee. Die Gewitter treten dort zwar nur vereinzelt auf, können 
aber, wo sie sich gebildet haben, mit sehr heftigem Starkregen, 
größerem Hagel und schweren Sturmböen einhergehen. 
Spannend wird es dann am späten Abend und in der Nacht zum Sonntag. 
Vorderseitig von Tief ULFERT, das sich von Frankreich über Belgien 
und Holland zur Nordsee bewegt, wird "Hebung" generiert, die Luft 
wird also großräumig zum Aufsteigen gezwungen. Durch diesen "Impuls" 
können sich schon über Frankreich deutlich verbreiteter Gewitter 
ausbilden, die sich zu einem größeren Gewitterkomplex, einem "MCS" 
(mesoskaliges konvektives System) zusammenschließen. Dieser wird 
später wahrscheinlich den Westen und Nordwesten Deutschlands 
erreichen oder zumindest streifen. Dann ist häufiger mit heftigem 
Starkregen, Hagel und insbesondere schweren Sturmböen zu rechnen. Die
Modelle schwanken in ihren Berechnungen noch etwas, es ist aber 
durchaus möglich, dass im Tagesverlauf noch eine Vorabinformation vor
schweren Gewittern für die betroffenen Gebiete herausgegeben wird.

Der Sonntag wartet schließlich mit einer großräumigen 
Schwergewitterlage auf. Vorderseitig der von Westen 
hereinschwenkenden Kaltfront des nach Dänemark ziehenden Tiefs ULFERT
wird nochmal heißere, feuchtere und instabilere Mittelmeerluft 
herangeführt. Das Gewitter- und Unwetterpotenzial steigt im 
Tagesverlauf generell an, wenngleich noch völlig unklar ist, wo die 
Schwerpunkte liegen werden. Da darüber hinaus die Höhenströmung 
zulegt, und damit auch die Windscherung, also die Windzunahme und 
-drehung mit der Höhe, können sich die Gewitter schnell zu größeren 
Komplexen oder sehr lange Linien, sog. "squall lines" organisieren 
und größere Regionen mit heftigem Starkregen, großem Hagel und sogar 
Orkanböen treffen. 

Dennoch gehören Gewitter prinzipiell zu den vergleichsweise 
kleinräumigen Phänomenen in der Atmosphäre und werden von den 
Wettermodellen im Vorfeld oft nur unzureichend oder unpräzise 
erfasst. Sie können uns helfen, die Orte, in denen es besonders 
heftig zur Sache geht, schneller zu erkennen und unsere Warnungen zu 
verbessern: Melden Sie Ihr Wetter über die Warnwetter-App oder 
twittern Sie Ihre Schadens- und Unwettermeldung mit dem Hashtag 
#uwde. Vielen Dank .

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 19.06.2021

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