Thema des Tages

Die Methoden der Schneehöhenmessung und ihre Probleme

Der Winter hat zumindest die Nordhälfte des Landes weiter fest im 
Griff und packt am Wochenende sogar noch eine ordentliche Schippe 
Neuschnee drauf. Wie aber werden Schneehöhen offiziell gemessen und 
welche Probleme ergeben sich dabei?

Eine über Deutschland liegende Luftmassengrenze verschärft sich am 
Wochenende. Dabei lenkt Tief Tristan, der es sich bei unseren 
Nachbarn in den Benelux Ländern bequem macht, sehr milde Luft 
nordwärts. Gleichzeitig strömt sehr kalte Polarluft aus Skandinavien 
südwärts. Dort wo sich diese Luftmassen treffen kommen intensive 
Niederschläge auf, die auf der kalten Seite in Schnee übergehen. Etwa
vom Nordwesten bis in den Osten stehen markante bis unwetterartige 
Schneemengen auf dem Programm (Details zur Wetter- und Warnlage 
finden Sie unter: www.dwd.de), wobei zusätzlich noch erhebliche 
Verwehungen zu erwarten sind.

Gute Voraussetzungen also, um im heutigen Thema des Tages mal auf die
Methoden der Schneemessung zu blicken. Ganz klar braucht es zunächst 
erstmal Niederschläge, die in fester Form den Erdboden erreichen und 
sich bei negativen Lufttemperaturen und schneller noch bei 
gleichzeitig negativen Erdbodentemperaturen ablagern. Diese 
Ablagerung wird als Schneedecke bezeichnet. Bei kräftigen Schauern 
kann sich auch eine Decke aus Graupel oder Hagel ausbilden. Von einer
Schneedecke spricht man ab einem Bedeckungsgrad des Bodens von 
mindestens 50 Prozent. Sobald der Schnee liegt, kommt oft das 
Rätselraten. Wieviel liegt eigentlich genau? Vergleicht man die im 
heimischen Garten selbst gemachten Messungen mit der gemeldeten 
Schneehöhe der Wetterstation um die Ecke, so muss man immer wieder 
feststellen, dass die Werte nicht übereinstimmen. 

Die ursprüngliche Methode der Schneehöhenmessung an personell 
besetzten Wetterstationen sieht so aus, dass die Beobachterin oder 
der Beobachter die Messung der Schneehöhe mit einem Schneepegel 
vornimmt, einem Metallstab mit Markierungen in Zentimeterabständen. 
Der Schneepegel wird lotrecht bis zur Berührung des Schneebrettes, 
eines Holzbrettes an der Erdoberfläche, oder an mehreren Stellen des 
Stationsgeländes und in der Umgebung durch die Schneedecke gestoßen 
und die Höhe in ganzen Zentimetern an der Skala abgelesen. Die 
Schneedeckenhöhe ist dann das Mittel aus allen Messungen. Diese 
Mittelung bei der Messung versucht den Effekt von Schneeverwehungen 
zu berücksichtigen. Die Messung der Neuschneedeckenhöhe, kurz 
Neuschneehöhe, erfolgt zum Morgentermin (06 UTC) auf einem zum 
Vortermin auf die Erd- oder vorhandene Schneeoberfläche ausgelegten 
Schneebrett (dem bereits erwähnten Holzbrett). Der Neuschneezuwachs 
auf diesem Schneebrett entspricht der Neuschneehöhe. Anschließend 
wird der Schnee vom Brett entfernt und auf die vorhandene Decke 
erneut ausgelegt. Problematisch an den Schneebrettern kann die glatte
Oberfläche sein, wodurch der Schnee unter Umständen durch mangelnde 
Haftung vom Wind verfrachtet werden kann. 

In Zeiten von weiter zunehmender Automatisierung ist die oben 
beschriebene händische Methode eher ein Auslaufmodell. Für eine 
automatische Schneehöhenbestimmung kommt beispielsweise häufig ein 
Ultraschallsensor zum Einsatz. Der Sensor wird in einer geeigneten 
Höhe senkrecht zur Erdoberfläche angebracht und sendet ein periodisch
wiederkehrendes Ultraschallsignal aus. Die Verzögerungszeit zwischen 
gesendetem und empfangenen Signal ist proportional zur Schneehöhe. Je
schneller das von der Schneeoberfläche reflektierte Schallsignal 
empfangen wird, desto kürzer ist der Weg zwischen Sensor und Schnee 
und umso mächtiger ist die Schneedecke. Um Fehlmessungen z.B. durch 
wachsendes Gras zu vermeiden wird ein Standard-Schneebrett auf die 
Messfläche gelegt. Das Messverfahren bringt allerdings auch Probleme 
mit sich. So handelt es sich einerseits um eine Punktmessung und 
somit werden Schneeverwehungen nicht berücksichtigt. Andererseits ist
die Schallgeschwindigkeit von der Lufttemperatur abhängig, wodurch 
der Abstandsmessung eine Temperaturkompensation folgen muss. Ohne 
eine solche Temperaturkompensation gelten die Distanzwerte meist nur 
für eine Temperatur von 0 °C. Die Genauigkeit der 
Ultraschallschneehöhensensoren liegt etwa bei ±1 cm.

Ein weiteres Messverfahren zur Bestimmung von Schneehöhen basiert auf
der Laserentfernungsmessung. Vergleichbar ist dieses Verfahren mit 
den Laserpistolen bei den Geschwindigkeitsmessungen der Polizei. Bei 
der Laufzeitmessung mit einem Lasersensor wird ein kurzer Lichtpuls 
ausgesandt, der an der Schneeoberfläche reflektiert wird und das 
rücklaufende Signal wieder erfasst wird. Über die gemessene Laufzeit 
kann dann sehr genau die Schneehöhe erfasst werden. Ein Vorteil 
gegenüber Ultraschallsensoren ist die Temperaturunabhängigkeit. 
Trotzdem sorgen auch bei diesem Messaufbau Schneeverwehungen an oder 
in der Nähe der Messstelle für Ungenauigkeiten bei der Bestimmung der
tatsächlich gefallenen Schneemenge.

Trotz der technischen Messverfahren bleibt die automatische 
Schneehöhenbestimmung grade bei zusätzlichen Einflüssen wie Wind mit 
Unschärfen behaftet. So können auch in Zukunft die eigenen 
Beobachtungen aus dem Garten von den offiziellen Werten abweichen. 
Schon am Sonntag könnte diese Erkenntnis bei starken Schneefällen und
Schneeverwehungen in Teilen des Landes zum Tragen kommen.


M.Sc. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 05.02.2021

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