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Thema des Tages

Klimakommunikation - Warum Wissenschaft (nicht immer) Wissen schafft

Warum lehnt ein relevanter Teil der Bevölkerung etablierte 
wissenschaftliche Fakten ab? Welche Argumente werden von "Skeptikern"
gegen robuste Forschungsergebnisse vorgebracht und wie kann man ihnen
begegnen? Ein Ausflug in die Sozialwissenschaften?

Skeptisch zu sein, ist per se keine schlechte Eigenschaft: Dinge zu 
hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen ist vielmehr ein hohes 
Gut der menschlichen Vernunft und Grundlage der wissenschaftlichen 
Praxis. Doch was ist, wenn Skepsis in Misstrauen umschlägt und wenn 
das Leugnen wissenschaftlicher Erkenntnisse als "Skepsis" vermarktet 
wird? 

Sätze wie "Das Klima hat sich schon immer geändert!", "Die Sonne 
wirkt sich viel stärker auf den Klimawandel aus als unser 
menschliches Tun!" oder "Die Wissenschaftler sind sich doch gar nicht
einig!" hört man häufig von Menschen, die den Klimawandel infrage 
stellen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden von einem Teil der 
Bevölkerung nach wie vor zurückgewiesen (- übrigens nicht nur 
hinsichtlich des Klimawandels, wie die aktuellen Diskussionen beim 
Thema Corona-Virus zeigen). Ist das nur ein Ergebnis mangelnden 
Wissens und fehlender Informationen? "Nein" zeigen zahlreiche Studien
und belegen, dass das "Wissensdefizit" eher eine untergeordnete Rolle
spielt und die Ursache für Zurückweisung von wissenschaftlicher 
Evidenz vielmehr eine weltanschauliche Motivation ist: Stellen 
Forschungsergebnisse oder die sich daraus ergebenden 
Schlussfolgerungen die tief verwurzelten Weltanschauungen infrage, 
also grundlegende Vorstellungen darüber, wie Gesellschaften 
organisiert werden sollten, wird eher die Forschung bestritten als 
die eigene Weltanschauung korrigiert.

Häufig halten dann "alternative Fakten" Einzug in Debatten. Ein 
grundlegendes Mittel der sogenannten Skeptiker ist dabei, eine 
(vermeintliche) Kontroverse zu betonen. Dabei wird das Bild einer 
Kontroverse auf zweierlei Weise geschürt: Zum einen diskreditieren 
sie etablierte Wissenschaftler, zum anderen bringen sie eigene 
angeblich "wissenschaftliche" Belege vor. Auch der "Rosinenpickerei" 
wird sich gern bedient, bei der nur passende Argumente ausgewählt 
werden, die aus dem Zusammenhang gerissen und alle Gegenbeweise 
ausblendet werden. Wie also solche "alternative Fakten" widerlegen, 
wenn Wissensvermittlung allein nicht ausreicht? 

Ein erster wichtiger Punkt ist das Kommunizieren des bestehenden 
Konsenses: Denn oft wird behauptet, es gäbe große Uneinigkeit 
darüber, ob der Klimawandel stattfindet und ob er auch 
menschengemacht ist. Dabei stimmen 97 Prozent (!) der von 
Klimaexperten verfassten wissenschaftlichen Fachliteratur (die nach 
einem strengen sogenannten "Peer-Review"-Verfahren begutachtet wird) 
darin überein, dass hauptsächlich der Mensch die globale Erwärmung 
verursacht. Dieser überwältigende, erdrückende wissenschaftliche 
Konsens spiegelt sich jedoch nicht in der öffentlichen Wahrnehmung 
wider: So wissen im Durchschnitt nur 67 Prozent der US-Bevölkerung, 
dass sich Klimawissenschaftler darin einig sind; und nur 13 Prozent, 
dass der Konsens unter Wissenschaftlern bei über 90 Prozent liegt. 
Diese Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen und dem wahrgenommenen 
wissenschaftlichen Konsens ist kurios und bedenklich - könnte aber 
auch eine Chance sein. Sicherlich ist das Informieren über den 
Konsens kein Wundermittel, jedoch könnte es manchen Menschen helfen, 
angemessene Schlussfolgerungen zu ziehen und der Wissenschaft mehr 
Vertrauen zu schenken.

Eine zweite Kommunikationsstrategie bedient sich dem "vorbeugenden 
Widerlegen", denn: Falsche Informationen bleiben haften. Sobald 
jemand eine Fehlinformation verinnerlicht hat, ist es nachweislich 
sehr schwer, sie zu korrigieren. Eine Irreführung kann jedoch 
vermieden werden, wenn Personen auf Falschinformationen aufmerksam 
gemacht werden, bevor diese sie erreichen. Das könnte beispielsweise 
so aussehen: Erstens eine Warnung aussprechen, dass es Versuche gibt,
Zweifel über den wissenschaftlichen Konsens zu säen. Und zweitens 
eine Erläuterung ergänzen, dass es eine der Methoden zum Vortäuschen 
eines fehlenden Konsenses ist, eine große Gruppe "falscher Experten" 
auftreten zu lassen. Wenn dann jemand auf die Falschinformation stößt
(der vorgetäuschte Dissens), kann diese durch die "Vorabwiderlegung" 
schnell verworfen werden.

Viele Menschen in Deutschland und anderen europäischen Staaten sehen 
zwar den Klimawandel als wichtiges Problem an, erwarten aber nur 
geringe Risiken für sich selbst: Der Klimawandel wird als ein Problem
der fernen Zukunft oder von entfernten Orten wahrgenommen. Das zeigt 
die Wichtigkeit, bei der Klimakommunikation auf die persönliche 
Bedeutung hinzuweisen. Wenn Menschen über die emotionale Ebene 
berührt werden (z. B. mit Hinweisen auf die erwartete Verknappung von
Schokolade oder das "Ende" des Skifahrens), sind sie häufig 
handlungsbereiter. Allerdings sollten dabei alarmistische 
Katastrophenszenarien vermieden werden, denn diese bleiben meist 
wirkungslos. Viele Menschen fühlen sich dann überfordert und flüchten
sich in eine Abwehrreaktion: Diese kann vom Wunschdenken ("das wird 
schon alles nicht so schlimm") über Fatalismus ("ich kann da sowieso 
nichts machen") bis hin zum Wegschieben der Verantwortung ("die 
Wirtschaft/die Politik soll etwas tun") reichen. Diese 
Abwehrreaktionen können durch Überzeugung von der Wirksamkeit der 
eigenen Handlungsmöglichkeiten reduziert werden.

Es ist also durchaus eine Herausforderung, wissenschaftliche 
Erkenntnisse zu kommunizieren, oder besser gesagt: Wissenschaft so zu
kommunizieren, dass sie auch "Wissen schafft"? Die eine, perfekte 
Kommunikationsstrategie gibt es dabei wohl nicht - und bei manchen 
scheint jegliche Diskussion zugegebenermaßen auch vergebene 
Liebesmüh. Doch vielleicht gelingt es uns und Ihnen, liebe 
Leserschaft des Thema des Tages, mit eigenen kleinen Beiträgen die 
gesellschaftliche Widerstandskraft gegen Fake News und Desinformation
zu erhöhen.

Übrigens: Diese und viele weitere Aspekte zum Thema 
"Klimakommunikation" behandelt auch die gleichnamige Ausgabe der 
DWD-Fortbildungszeitschrift promet (für Druck- und Online-Version 
siehe Link unten). Dort sind auch die Quellen dieses Beitrags zu 
finden. Informationen zum Klimawandel finden Sie auf der 
DWD-Homepage, auf den Seiten klimafakten.de und skepticalscience.com 
sind gängige Falschbehauptungen von Klimaskeptikern/-leugnern, sowie 
deren Widerlegungen aufgeführt.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 20.10.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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