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Thema des Tages

Sacre Bleu - einiges los in Frankreich 

Wie turbulent die vergangenen Tage in Frankreich verliefen und warum 
noch immer keine Entwarnung gegeben werden kann, erfahren Sie im 
heutigen Thema des Tages.

Dieses Land steht für Lebensfreude pur. Bei der Vorstellung im 
Sonnenuntergang ein Glas Rotwein zu genießen, ins ofenwarme Baguette 
zu beißen und sich anschließend noch ein Stückchen vom Gruyere 
(französische Käsesorte) abzuschneiden, schlagen die Herzen vieler 
Frankreichliebhaber höher. Doch egal ob Pauschaltourist an der Cote 
d'Azur, Wohnmobilcamper an der Biskaya, Wanderer in den Alpen oder 
Appartmentbewohner in Paris, angesichts der Liste mit den derzeit 
gültigen Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes treibt es den 
potentiellen Herbstferienurlaubern wohl eher Tränen in die Augen - es
sei denn, man lässt sich bereitwillig auf das Ansteckungsrisiko nebst
Tests, Quarantäne, etc. ein. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 
gab es in den vergangenen 24 Stunden mit 16972 Neuinfektionen sogar 
einen neuen Höchststand in Frankreich. 

Meteorologisch ist das Land ebenfalls ganz schön gebeutelt. So tobte 
bereits in der Nacht zum vergangenen Freitag (02. Oktober) Sturmtief 
BRIGITTE (laut MeteoFrance: ALEX) an der Westküste und brachte auf 
der größten bretonischen Insel Belle-Ile-en-Mer südlich von Lorient 
sagenhafte Orkanböen von bis zu 185 km/h (Beaufort 12+). Zu diesem 
Zeitpunkt zeigte der Sturm klare Indizien einer 
Shapiro-Keyser-Zyklone (Erklärungen dazu finden Sie beispielsweise im
Thema des Tages vom 16. Januar 2015), die berühmt berüchtigt für 
derart hohe Windgeschwindigkeiten mit zerstörerischer Wirkung sind. 
An der gesamten Westküste Frankreichs kam es bis einschließlich des 
gestrigen Samstagabends immer mal wieder zu Spitzenböen mit 
Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h. Mehrere Bäume stürzten um 
und zeitweise waren 80000 Menschen ohne Strom. Verletzte gab es 
glücklicherweise keine. 

Die vergleichsweise lange Andauer ist schon etwas ungewöhnlich und 
damit begründet, dass über Brigitte auch ein kräftiges Tief in 
höheren Luftschichten wirbelt. Im Zusammenspiel mit immer neuen 
Randtiefentwicklungen über Ostfrankreich und dem Alpenraum konnte es 
sich so immer wieder regenerieren, "eiert" nur ein wenig rum und 
verlagert dementsprechend seinen räumlichen Schwerpunkt kaum. Liegt 
ein Küstenstreifen dann erst einmal inmitten des Sturmfelds, kann das
Ereignis über mehrere Stunden hinweg anhalten. 

A propos vorderseitige Randtiefs: Diese brachten im Südosten 
Frankreichs im Verbund mit einer markanten Luftmassengrenze in den 
vergangenen zwei Tagen länger anhaltende, kräftige Regenfälle. Lag 
die Höchsttemperatur in Limoges in Zentralfrankreich gestern bei 11 
Grad, waren es auf Korsika und in Norditalien teilweise bis 25 Grad. 
Aus diesen Gegensätzen speisen Tiefdruckgebiete ihre Energie. Des 
Weiteren kam hinzu, dass in der mittleren Troposphäre (in etwa 
zwischen 2 und 6 Kilometern Höhe) über Südostfrankreich eine 
anhaltende Südströmung vorherrschte. So wurden feucht-warme 
Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum permanent von Süden 
gegen den Alpenbogen geführt, stauten sich dort und regneten ab. 
Verheerende 300 bis 600 Liter pro Quadratmeter fielen im Grenzgebiet 
zu Italien nördlich von Nizza in nur 24 Stunden bis Samstagfrüh. 
Letzterer Wert entspricht einem durchschnittlichen 
Jahres(!)-niederschlag in Berlin. Die schlimmen Bilder von 
überfluteten Dörfern und Kleinstädten, weggerissenen Häusern, 
gesperrten Straßen gingen durch die Medien. Zahlreiche Menschen 
werden noch vermisst, darunter auch Hilfskräfte der Feuerwehr. 
Ähnliches gilt für Teile Norditaliens, wo vier Deutsche unter den 
Vermissten sind. 

Auch wenn sich die Wetterlage aktuell etwas beruhigt hat, so ist das 
nur ein kurzes Durchatmen. Das Tief BRIGITTE zieht weiter seine 
Kreise und liegt derzeit mit einem Kerndruck von unter 980 hPa über 
England. Es schickt derzeit mehrere Staffeln mit kräftigen Schauern 
und Gewittern von der Biskaya landeinwärts, so dass ab dem Nachmittag
auch in den erwähnten Krisenregionen neue, teils kräftige Regenfälle 
einsetzen werden. Daher kann man noch nicht von einer Entwarnung 
sprechen und die Aufräumarbeiten/Bergungen werden weiterhin erheblich
erschwert. Der Ausblick für die kommenden Tage hat weitere Regenfälle
im Gepäck, die allerdings nicht mehr so langanhaltend und intensiv 
ausfallen. 


Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 04.10.2020

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