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Thema des Tages

"? als Quirinius Statthalter in Syrien war"


Wer ist eigentlich dieser Quirinius? Ein kurzer Abriss eines weiten 
Felds - von der derzeitigen Wetterlage bis zum Namensgeber des 
aktuellen Hochdruckgebiets. 


"Es begab sich aber zu der Zeit, ?" Viele von uns erkennen schon an 
diesen wenigen Worten den Anfang der Weihnachtsgeschichte nach dem 
Lukas Evangelium. Der direkt zu Beginn einmal vorkommende 
"Quirinius", der als "Statthalter in Syrien" erwähnt wird, hat durch 
seine Nennung kurz hinter Kaiser Augustus zwar einen prominenten 
Platz am Anfang der Weihnachtsgeschichte, spielt im weiteren Verlauf 
der Bibelstelle dann aber keine Rolle mehr.

Nun aber, Mitte Mai, läuft uns der etwas außergewöhnlich klingende 
Name plötzlich außerhalb der alljährlichen Lesung der 
Weihnachtsgeschichte über den Weg - und zwar als ausgesprochen 
umfangreiches Hochdruckgebiet auf der aktuellen Wetterkarte, das von 
den Britischen Inseln bis nach Mitteleuropa reicht.

"Quirinius" präsentiert sich hierzulande weniger als strenger 
Statthalter, sondern vielmehr als steter und stabiler Sonnenfreund, 
der in den kommenden Tagen zudem immer wärmere Luft zu uns lenkt und 
die Eisheiligen vertreibt (die "kalte Sophie" hat in der vergangenen 
Nacht sogar in Hamburg, Berlin und Köln mit leichtem Luftfrost 
zugeschlagen). Doch zwei Ausnahmen deuten darauf hin, dass Quirinius 
seinen Einfluss nicht überall uneingeschränkt geltend machen kann (- 
also kein Statthalter des ganzen Landes?): Im Norden Deutschlands 
sorgen nahende Tiefausläufer immer wieder für Wolken und vor allem im
Küstenumfeld für einzelne Schauer. Auch ganz im Süden des Landes, vom
Bodensee bis nach Niederbayern, steht zumindest am heutigen Freitag 
kein astreines Hochdruckwetter auf dem Programm, denn eine 
Luftmassengrenze beschert dort eine "natürliche Bewässerung" von 
Feldern und Gärten.

Quirinius ist also im Moment zwar Protagonist in Mitteleuropa, nicht 
aber in Nord- und Südeuropa. Dort heißen seine weiblichen Kolleginnen
"Aki" und "Doreen". Das Dreiergespann sorgt europaweit für einen 
beachtlichen Temperaturunterschied: "Aki" könnte als "die Kalte" 
beschrieben werden, sorgt sie doch in Nordnorwegen z.B. gerade mal 
für Höchstwerte von kaum 5°C. "Doreen" scheint vielmehr brütende 
Hitze zu mögen und lässt die Einwohner Griechenlands und der Türkei 
in den kommenden Tagen bei einer außergewöhnlichen und markanten 
Hitzewelle von Temperaturen teils über 40°C schwitzen - ähnliche 
Bedingungen übrigens wie in der alten Heimat von Quirinius Vorfahren,
in Syrien. Auch dort herrschen Temperaturen von 30 bis 40 Grad, 
Abkühlung ist lediglich in den dortigen Bergen möglich.
Quirinius scheint sich in mitteleuropäischen Gefilden recht wohl zu 
fühlen und verbleibt hier bis mindestens Mitte nächster Woche 
erstmal. Das wird die Sonnenstunden-Statistik in die Höhe treiben, 
ist aber gleichzeitig wohl eine schlechte Nachricht für alle 
Gartenbesitzer und Landwirte, da flächendeckender Regen nicht in 
Sicht ist. 

Zu guter Letzt nun aber noch ein kurzer Schwenk zu "Quirinius senior"
- für all diejenigen, die sich bei der Weihnachtsgeschichte immer 
schon gefragt haben, wer eigentlich dieser Statthalter Quirinius ist.
"Publius Sulpicius Quirinius", wie er mit vollem Namen hieß, 
entstammte keiner prominenten römischen Familie, gewann aber schon 
früh das Vertrauen und die Förderung des Kaisers Augustus. 
Militärische Erfolge als Befehlshaber in Nordafrika machten Quirinius
zum gefeierten Kriegshelden. Der Kaiser überhäufte ihn mit Ehrungen 
und griff immer wieder auf ihn zurück, wenn er für eine heikle 
militärische oder politische Aufgabe irgendwo im Reich einen fähigen 
Mann brauchte. Nicht ganz so erfolgreich wie auf dem politischen 
Parkett soll Quirinius im Privatleben gewesen sein. Eine erste Ehe 
endete in der Scheidung, die zweite in einem regelrechten Skandal: 
Quirinius bezichtigte seine Frau des Ehebruchs und klagte sie vor 
Gericht an, weil sie versucht haben soll, ihn zu vergiften. Die Frau 
wurde schuldig gesprochen und trotz öffentlicher Proteste 
hingerichtet. 

Wenn man den Überlieferungen also Glauben schenkt, hatte der 
"Quirinius" von vor über 2000 Jahren demnach kein so sonniges Gemüt 
wie der derzeitige Protagonist auf der Wetterkarte. 


Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 15.05.2020

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