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SXEU31 DWAV 041800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 04.08.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen:
Wiederholt Schauer und Gewitter, vor allem am morgigen Donnerstag punktuell
unwetterartig durch heftigen Starkregen. An den Alpen bis Donnerstagvormittag
noch Dauerregen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 12 UTC

Aktuell … greift ein vor allem in 300 hPa sich weiter amplifizierender Trog
von Westen auf Deutschland über. In seinem Südteil erstreckt er sich bis
Mittelitalien und löst damit einhergehend über dem Golf von Genua und
Oberitalien auch schwachen Druckfall am Boden aus. Die vorrangig durch PVA
induzierte Hebung über Süddeutschland zieht sich im Laufe der Nacht immer mehr
Richtung Berchtesgaden und Niederbayern zurück. Länger anhaltende Regenfälle
bringen südlich der Donau weitere 5 bis 10, am Alpenrand 20 bis 30 Liter pro
Quadratmeter, womit die markante Dauerregenwarnung mit bis zu 40 l/qm seit heute
Nachmittag mehr als gerechtfertigt sein sollte. Falls lokal die Unwetterschwelle
doch mal knapp gerissen werden sollte, so ist dies am ehesten im südlichsten
Zipfel des Berchtesgadener Landes der Fall (C-D2 EPS 15% für mehr als 40 l/qm
binnen 12 Stunden). Ein Grund nachzusteuern ist das aber nicht, zumal die
aktuellen Stundensummen mit 1 bis 3 l/qm, nur vereinzelt mal bis 5 l/qm
vollkommen im Rahme liegen.

Im Rest des Landes lässt die Schauer- und Gewitteraktivität tagesgangbedingt
allmählich nach, bleibt aber durch die Trogannäherung vor allem im Westen und
Nordwesten noch hartnäckig und kommt nicht vollständig zum Erliegen. Es ist zwar
nicht viel, aber immerhin gibt die Luftmasse noch etwas MU CAPE von 100 bis 200
J/kg her. Unliebsame Überraschungen in Form noch immer vereinzelt auftretender
Gewitter sind daher weiter möglich. Dort, wo es länger einmal auflockert, kann
sich in der feuchten Grundschicht bei nur schwacher Luftbewegung flacher Nebel
bilden. Die Tiefstwerte liegen je nach Bewölkung zwischen 15 und 8 Grad.

Donnerstag … überquert der inzwischen immer breiter angelegte Trog große Teile
Deutschlands und erreicht bis zum Abend mit seiner Achse in etwa die Gebiete
entlang der Elbe, während der südliche Teil (in unmittelbarere Nähe zur
Frontalzone) progressiver ostwärts bis zum Balkan gesteuert wird. Bodennah
bleibt die Druckverteilung zunächst noch äußerst flach, wobei sich eine schmale
Tiefdruckrinne vom Emsland über das südliche Niedersachsen bis zum Erzgebirge
und die Elster erstreckt.
Dieser Streifen markiert zugleich den potentiell gefährdetsten Bereich von
lokalen Gewittern mit punktuell heftigem, teils mehrstündigen Starkregen bis in
den Unwetterbereich hinein. Die PPW’s steigen im Vergleich zum Vortag etwas an
auf um die 30 mm und im Bereich des Troges verlagern sich die Zellen kaum.
Während beim C-D2 EPS die Wahrscheinlichkeiten für mehr als 25 l/qm binnen 12
Stunden am heutigen Tag noch sehr stark gesprenkelt und in der Spitze nur im
Hochsauerland bis 75% reichten, so zeichnet sich am morgigen Donnerstag eine
deutlich breitere Zone mit 30-60%, in der Spitze von Ostwestfalen bis zum
Thüringer Wald mit 70-95% ab. Sogar geringe Wahrscheinlichkeiten für mehr als 70
l/qm binnen 12 Stunden zeichnen sich über dem Weserbergland und dem Harzumfeld
ab. Insofern wird diesbezüglich in der Frühkonferenz auf Basis der neuesten
Läufe ernsthaft über die Ausgabe einer Vorabinformation diskutiert werden
müssen. Mit ML Cape um die 500 J/kg wird dann aber auch das letzte Quäntchen aus
der gemäßigten Atlantikluft herausgekitzelt. Insofern ist kleinräumig auch mit
kleinkörnigem Hagel bzw. Hagelansammlungen zu rechnen.

Abseits dieses Schwerpunktes treten im Tagesverlauf ebenfalls wieder
gebietsweise Schauer und Gewitter auf, allerdings weitgehend im markanten
Bereich. Der Starkregen ist auch dort die gängigste Begleiterscheinung. Am
längsten dauert es wohl mit der Auslöse noch von Niederbayern und dem
Bayerischen Wald bis zur Oberlausitz, wo der nächtliche Regen erst im Laufe des
Vormittags abzieht und sich Auflockerungen samt konvektiven Umlagerungen erst
zum Nachmittag hin bemerkbar machen.

Am Nordrand der Rinne wird mit einer östlichen Strömung von der Ostsee etwas
trockenere und stabilere Luft eingesteuert, weshalb es von Vorpommern bis nach
Ostholstein neben längerem Sonnenschein meist trocken bleibt. Die Höchstwerte
ändern sich mit 19 bis 24 Grad kaum.

Über den Britischen Inseln bringt sich bis zum Abend ein weiterer, kräftiger
Trog in Position. In diesen ist ein Tief eingelagert, auf dessen Vorderseite die
Strömung im Westen auf Südwest bis Süd zurückdreht.

In der Nacht zum Freitag verlagert sich der Trog entlang der Elbe kaum noch
nordostwärts und wird letztlich vom neuen System von Westen „geschluckt“.
Hebungsfördernd ist auf dessen Vorderseite ein weitgehend okkludiertes
Frontensystem eingelagert, dass im Laufe der Nacht auf den Westen und Südwesten
des Landes mit schauerartig verstärkten Regenfällen übergreift. Dabei kommen
durchaus Mengen zwischen 5 und 10 l/m bis Freitag Früh zusammen.

Unterdessen entwickelt sich aus dem südlichen Trogresiduum über dem Balkan ein
eigenständiges Drehzentrum, dass sich unter Einbezug schwül-heißer Luft aus dem
östlichen Mittelmeerraum und dem Schwarzen Meer intensivieren kann und nordwärts
nach Ostpolen zieht. Kompensatorisch kann sich zwischen beiden Drehzentren
vorübergehend schwaches Absinken bemerkbar machen und die konvektiven
Niederschläge klingen spätestens nach Mitternacht weitgehend ab.

Freitag … verbleiben die dipolartigen Drehzentren nahezu ortsfest über
Nordirland respektive Ostpolen. Während in der oberen Troposphäre eine schwache
Verbindung durch die langgestreckte Form des Troges gegeben ist, versuchen die
Systeme auch in unteren Schichten den Kontakt zu wahren. Dies geschieht in Form
des nordwärts schwenkenden und gleichzeitig ostwärts ausweitenden
Kurzwellentroges (am frühen Morgen noch über Westdeutschland), der sich bis zum
Abend von der Deutschen Bucht bis nach Mecklenburg erstreckt. Die
Trogvorderseite ist dabei stark diffluent ausgeprägt. Südlich davon zonalisiert
die Strömung, der Jet stößt dabei mit knapp 100 Knoten von Frankreich und den
Alpen her in den äußersten Südwesten Deutschlands vor. Insofern ist es nicht
verwunderlich, dass die Scherung deutlich zunimmt mit DLS Werten um 15 m/s und
LLS um 10 m/s – vorrangig aus Geschwindigkeitsscherung resultierend.

Folglich kristallisiert sich ein Bereich (mit bestem Überlapp der Zutaten) von
NRW und Niedersachsen über Hessen und Thüringen bis nach Franken heraus, der
hebungsfördernd im Bereich des linken Jetausgangs unter der diffluenten
Vorderseite in einer feucht-labilen Luftmasse mit PPW’s zwischen 25 und 30 mm
und ML Cape bis an die 1000 J/kg liegt, die zunehmend von Südwesten hochreichend
geschert ist. Organisierte Konvektion mit der Ausbildung von Squall Lines samt
(schweren) Sturmböen, Hagel bei gleichzeitig nachlassender Starkregengefahr sind
die Folge. Bis zum Abend dehnt sich diese Zone weiter nordostwärts aus.
Ausgenommen bleiben bis zum Abend aller Voraussicht nach noch Vorpommern und die
Gebiete entlang der Oder.
Stellt sich die Frage nach dem Unwetterpotential. Obwohl die Lage zunehmend
dynamisch wird, ist es schwer vorstellbar, dass die beteiligten
Begleiterscheinungen bis in den Unwetterbereich reichen. Gleichwohl sprechen die
angesprochen Indizien für eine großräumige markante Gewitterlage, wohingegen sie
in den Vortagen nur lokal eng begrenzter Natur war.
Postfrontal nimmt die Stabilität in einer etwas trockeneren Luftmasse (PPW’s bei
20 mm) zu, weshalb Schauer und Gewitter am Nachmittag von Rheinland-Pfalz und
dem Saarland bis zu den Alpen kaum noch Thema sind. Dafür kommt infolge der
Gradientzunahme an der Südflanke des Tiefs ein zeitweise böig auffrischender
Südwestwind auf, der insbesondere in anfälligen Lagen und auf den Bergen
einzelne 7er Böen, in exponierten Gipfellagen auch Sturmböen (8 bis 9 Bft)
bringen kann.

Vor Eintreffen der Schauer- und Gewitterstaffeln kann es im Osten mit einem
kleinen Warmlufteinschub bis 26 Grad raufgehen. Sonst ändert sich an den
Temperaturen kaum etwas.

In der Nacht zum Samstag schwenkt die Hauptachse des Randtroges allmählich
nordwärts ab, es deuten sich aber nachfolgende kurzwellige Anteile anhand der
PV-Verteilung vor allem im Nordseeumfeld an. Insofern zieht sich die
Niederschlagstätigkeit immer mehr zu den Küsten zurück. Durch einen neuerlich
zur Biskaya ausweitenden Randtrog steilt die Strömung von Süden sogar etwas auf
und ein flacher Rücken wird über Bayern und Sachsen hinweg nordostwärts
gesteuert. Dieser zeichnet sich als Bodenhochkeil ausgehen vom Hoch mit 1015 hPa
über dem Balkan auch im Bodendruckfeld ab. Dadurch klart es von Süden
gebietsweise auch mal länger auf und der Gradient weicht rasch wieder auf, so
dass es vielerorts windschwach ist. Örtlich kann sich Nebel bilden. Die
Tiefstwerte liegen allgemein zwischen 15 und 10 Grad, bei längerem Aufklaren bis
7 Grad.

Samstag … schwenkt die Achse des umfangreichen Höhentiefs bei Schottland von
der Biskaya bi zum Abend in etwa auf Höhe des Zentralmassivs, womit Deutschland
in einer indifferenten – nach Westen zu eher zyklonal geprägten – südwestlichen
Höhenströmung liegt. Gerade in 300 hPa ist die Ausbuchtung im Isohypsenfeld doch
ausreichend markant, um über Zentralfrankreich gar ein eigenständiges
Drehzentrum – zumindest in der höheren Troposphäre – vermuten zu lassen.

Wie auch immer geartet, so verläuft der Vormittag wohl noch weitgehend ruhig bei
einem Wechsel aus Sonne und Wolken. Mit Annäherung des Troges kommen in der
Westhälfte im Tagesverlauf aber vermehrt schauerartig verstärkte Niederschläge
auf. Die labilste Luftmasse ist dabei im Nordwesten zu finden, die vergleichbare
Eigenschaften zum Vortag aufweist. Von Nordfriesland bis zur Eifel stehen
demnach – teils organisierte – Gewitter im Fokus, die in der Regel markant
ausfallen sollten.

Niederschlagstechnisch interessanter gestaltet sich aber wohl der Südwesten, wo
von Frankreich und der Schweiz ein kräftiges Hebungsmaximum (gekoppelt an
kräftiges PVA-Maximum) übergreift. Der 12z Lauf vom ICON Nest schlägt hier
bereits mit bis zu 40 l/qm binnen 6 Stunden zu Buche, GFS und IFS eher mit 20
bis 30 l/qm. Trotz noch gewisser räumlicher und qualitativer Unschärfen ist das
aber schon weit im Voraus ein erneutes Signal für ein potentielles
Starkregenereignis. In den probabilistischen Verfahren sind bis dato nur geringe
Wahrscheinlichkeiten von 10-20% für mehr als 25 l/qm bis So 0z vorhanden.

In der Osthälfte ist es unter dem nur langsam ostwärts schwenkenden Rücken noch
längere Zeit freundlich und mit 25 bis 28 Grad auch sommerlich warm – steigen
doch die 850 hPa Temperaturen auf 10 bis 15 Grad, an der Grenze zu Österreich
(föhnbedingt) sogar bis auf 20 Grad an. Warum dann keine höheren Temperaturen am
Boden? Zum einen fehlt die Durchmischung und zum anderen bildet sich mit
einsetzendem Föhnsturm auf den Alpengipfeln ein Leetief im Alpenvorland, aber
wohl ziemlich östlich erst kurz vor Salzburg. Damit bleibt die bodennahe
Strömung eher mit einer nördlichen Komponente behaftet und die potentiell
instabile Luft mit MU CAPE weit über 1000 J/kg gedeckelt (teils 200-300 J/kg
CIN). Womöglich könnte es aber mit fortdauernder Anfeuchtung von Westen in den
späten Abendstunden und eingangs der Nacht doch Zünden, dann mit
Superzellenpotential.

Modellvergleich und -einschätzung

Signifikante Unterschiede sind vorrangig der gradientschwachen, konvektiv
geprägten Lage und unterschiedlichen Modellauflösung geschuldet und
weitestgehend auf die Niederschlagsfelder beschränkt. Ob es wirklich in der
Mehrzahl „nur“ markante Gewitter sind, oder nicht doch ausreichend Anzeichen für
eine Unwetterlage gegeben sind, muss letztlich auf Basis der Morgenläufe von Tag
zu Tag neu entschieden werden.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen