Thema des Tages – Die gefühlte Temperatur

Thema des Tages

Die gefühlte Temperatur

In der vergangenen Nacht gab es in der Norddeutschen Tiefebene verbreitet leichten bis mäßigen Frost, am kältesten war es in Barth mit -9,4 Grad. Und auch tagsüber schafft es das Quecksilber nur mühsam über die Nullgradmarke – Höchstwerte um 1 Grad stehen in Norddeutschland am heutigen Montag ins Haus, örtlich wird es wohl sogar nur für einen Eistag reichen. Angesichts des allmählich zunehmenden Ostwindes kommen einem diese Temperaturen trotz
Sonnenscheins sogar noch kälter vor.

Der Wärmehaushalt des Menschen reagiert nicht nur auf die
Lufttemperatur, sondern eben auch auf die Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und Sonnenstrahlung sowie auf die Wärmestrahlung der Atmosphäre. Von entscheidender Bedeutung sind zudem der
Aktivitätsgrad des Menschen und wie gut die Kleidung, die er trägt, isoliert.

Eine Möglichkeit, das Temperaturempfinden eines Menschen zu
beschreiben, ist die „gefühlte Temperatur“. Diese vergleicht die tatsächlich vorhandenen äußeren Bedingungen mit der Temperatur, die in einer Standardumgebung herrschen müsste, um ein identisches Wärme-, Behaglichkeits- oder Kältegefühl zu haben. Als Standard gilt dabei ein Bereich mit Schatten, in dem die Umgebungsflächen die gleiche Temperatur haben wie die Luft und in dem nur ein leichter Windzug von 0,2 Metern pro Sekunde herrscht. Zudem wird eine Aktivität des Menschen angenommen, bei der die gleiche Leistung erbracht wird wie beim Gehen mit vier Kilometern pro Stunde. Damit möglichst Behaglichkeit erreicht wird, kann der Mensch seine Kleidung stets an die vorherrschenden Bedingungen anpassen, wobei die Kleidung ein Spektrum zwischen sommerlich leicht und winterlich dick aufweist.

Im Deutschen Wetterdienst wird die gefühlte Temperatur mit dem sogenannten „Klima-Michel-Modell“ berechnet, das den Wärmehaushalt eines Modellmenschen bewertet. Der „Klima-Michel“ ist eine männliche Person mit einer Größe von 1,75 Metern, einem Gewicht von 75 Kilogramm und einem Alter von etwa 35 Jahren. Sein Wärmehaushalt ist im Wesentlichen von der Lufttemperatur, Luftfeuchte,
Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit abhängig. So steigt die gefühlte Temperatur unter warm-sonnigen, feuchten und windschwachen Bedingungen viel schneller als die Lufttemperatur an. Bei angenehmen, milden und trockenen Bedingungen mit mäßigem Wind kann sie aber auch unter die Lufttemperatur absinken. Unter kalter, insbesondere windstarker äußerer Umwelt kann die gefühlte Temperatur um teils mehr als 15 °C unter der Lufttemperatur liegen. Sonne und Windstille können die gefühlte Temperatur hingegen über die Lufttemperatur klettern lassen.

Die gefühlte Temperatur lässt sich in eine physiologisch gerechte Bewertung des thermischen Empfindens „übersetzen“. Eine gefühlte Temperatur zwischen 0 und +20 Grad empfinden wir als angenehm, man spricht daher auch vom „Behaglichkeits-“ oder „Komfortbereich“. Ist es kälter oder wärmer, leiden wir unter Kältestress bzw.
Wärmebelastung (siehe Tabelle unter
https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2018/1/8.html). Je weiter sich die gefühlte Temperatur vom Komfortbereich entfernt, umso stärker werden Herz, Kreislauf und periphere Gefäße belastet.

So muss unter sehr warmen Bedingungen das Herz eine höhere Leistung erbringen, da es viel durch Schweißverdunstung auf der Haut
abgekühltes Blut umwälzen muss, um den Körperkern bei der für alle Organfunktionen optimalen Temperatur von ca. 37 °C zu halten. Da der Mensch aber kein Standardobjekt, sondern ein Individuum ist, kommt es individuell auch zu abweichenden Beurteilungen vom thermischen Komfort bzw. Diskomfort. Faktoren wie unterschiedliche
Akklimatisation und auch genetische Adaption spielen dabei eine Rolle.

Schaut man auf die gefühlte Temperatur von heute früh 8 Uhr (siehe Grafik (1)), so liegen diese in Norddeutschland verbreitet unter -10, gebietsweise sogar unter -15 Grad, sodass unser „Michel“ schwachen bis mäßigen Kältestress empfindet. Heute Mittag (Grafik (2)) wird es zwar gefühlt wärmer mit Werten um -9 Grad, vom Komfort ist man da aber auch noch ein ganzes Stück entfernt. In den nächsten Tagen macht die bereits im Süden Deutschlands lagernde milde Luft allmählich Raum nach Norden gut, im Nordosten bleibt es am längsten beim schwachen Kältestress.

M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.01.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Thema des Tages – Die „Bomben-Zyklone“

Thema des Tages

Die „Bomben-Zyklone“

Die Ostküste der USA erlebt derzeit ziemlich ungewöhnliches
Winterwetter. Schnee und Sturm brachten in den vergangenen Tagen fast der gesamten Küste teilweise chaotische Verhältnisse.
Flugstreichungen, Stromausfälle und geschlossene Schulen waren die Folge, mehrere US-Staaten riefen den Notstand aus. Sogar in Florida kam es zum ersten signifikanten Schneefall seit 29 Jahren, Bilder von Schnee auf Palmen machten die Runde. Mittlerweile herrscht nach dem Schneesturm eisige Kälte, die aber in der kommenden Woche bald wieder vertrieben werden dürfte. In Florida sind dann sogar sommerliche Höchstwerte von über 25 Grad möglich.

Im Zusammenhang mit dieser Wetterentwicklung der vergangenen Tage an der US-Küste wurden seitens der dortigen Medien (vermutlich zuerst von der „Washington Post“, siehe
https://www.washingtonpost.com/news/capital-weather-gang/wp/2018/01/04/historic-bomb-cyclone-unleashes-blizzard-conditions-from-coastal-vi rginia-to-new-england-frigid-air-to-follow/?utm_term=.c2e898afe059) ein neuer Wetterbegriff geprägt: die sogenannte „Bomben-Zyklone“ (engl. „bomb cyclone“). Einige weitere Medien (auch deutsche) übernahmen den Begriff, wobei sie zum Teil fälschlicherweise daraus den „Bomben-Zyklon“ machten.

Nun gibt es zwischen einer Zyklone und einem Zyklon entscheidende Unterschiede. Bei einer Zyklone handelt es sich um den
meteorologischen Fachbegriff für ein Tiefdruckgebiet. Ein Zyklon ist zwar im Prinzip auch ein Tiefdruckgebiet, allerdings ist dieser Name im deutschen Sprachgebrauch reserviert für tropische Wirbelstürme im Indischen Ozean oder in der Südsee (Südwestpazifik). An der
US-Ostküste kann es folglich also keinen Zyklon geben, sehr wohl aber natürlich Zyklonen.

Die Wortprägung der „Bomben-Zyklone“ wurde vermutlich aus dem Begriff „Wetterbombe“ oder „Bombogenese“ abgeleitet. Diesen Begriff
verwendeten erstmals Sanders und Gyakum 1980 in ihrem Fachartikel „Synoptisch-dynamische Klimatologie der Bombe“ („Synoptic-Dynamic Climatology of the Bomb“). Dabei handelt es sich um eine rapide Zyklogenese, also um eine starke und schnelle Tiefdruckentwicklung.

Per Definition muss für eine rapide Zyklogenese der Luftdruck in den mittleren Breiten innerhalb von 24 Stunden um 24 Hektopascal (hPa) fallen. Auslöser einer rapiden Zyklogenese ist, wie bei der
Entstehung gewöhnlicher dynamischer Tiefdruckgebiete auch,
vereinfacht gesagt das Zusammentreffen von kalter Luft aus dem Norden und warmer aus dem Süden (mehr Infos zur Tiefdruckentstehung finden Sie in unserem Lexikon unter www.dwd.de/lexikon, Stichwort
„Zyklonentheorie“). Bei der rapiden Zyklogenese müssen die
Temperaturunterschiede überaus stark ausgeprägt sein. Besonders geeignet für derartige Entwicklungen sind der Bereich des Golfstroms und die Nordostküste Asiens (Nordwestpazifik).

So kann dann auch Deutschland von einem Tiefdruckgebiet mit rapider Zyklogenese und damit der „Wetterbombe“ heimgesucht werden. Ein sehr bekanntes Beispiel dafür ist der Weihnachtsorkan „Lothar“, der vor der Küste Neufundlands entstand, am 26. Dezember 1999 über
Mitteleuropa und Deutschland hinweg zog und dabei immense Schäden verursachte.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.01.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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DWD -> Pollenflug-Gefahrenindex Baden-Württemberg –

Von: Deutscher Wetterdienst – Pollenflug-Gefahrenindex

An: Abonnenten des DWD

Information zum Start der Pollenflugsaison 2018

Sehr geehrte Abonnentin, sehr geehrter Abonnent,

aufgrund der milden Witterung sind bereits erste Hasel- und Erlenpollen (Purpurerle) in der Luft.
Am Freitag, den 05.01.2018, startet deshalb der Deutsche Wetterdienst mit der Bereitstellung des Pollenflug-Gefahrenindex.
Entsprechend Ihrer Auswahl erhalten Sie täglich wieder den Newsletter zum Pollenflug-Gefahrenindex.

Sie können die Information zum Pollenflug auch über unsere App „Pollenflug-Gefahrenindex“ beziehen:

Google Play Store:
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.dwd.ku1fg.pollen

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Deutscher Wetterdienst
Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung