SYNOPTISCHE UEBERSICHT MITTELFRIST

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 16.10.2019 um 10.30 UTC

Am Wochenende zeitweise Regen, an den Alpen Föhn. Zum Dienstag Wetterberuhigung.
Weiterhin meist mild bis sehr mild.

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 23.10.2019

Zu Beginn der Mittelfrist am Samstag und Sonntag liegt Deutschland auf der
Vorderseite eines umfangreichen Torges über Westeuropa und dem nahen
Ostatlantik, diagonal über dem Land liegt eine wellende Luftmassengrenze. Dabei
liegen die Temperaturen in 850 hPa im Nordwesten bei 3 bis 5 Grad, im Südosten
bei 10 bis 13 Grad. Das Wetter dürfte sich überwiegend wechselhaft gestalten,
mit einem Niederschlagsband quer über Deutschland. Die genaue Lage und die
Intensität dürfte auch von etwaigen, kurzwelligen Troganteilen abhängen.
Bevorzug ist voraussichtlich der Südosten Bayerns, dort dürfte sich föhnbedingt
meist trockenes und sehr mildes Wetter einstellen. Auf den Alpengipfeln herrscht
Föhnsturm.

Zum Montag vergrößert der westeuropäische Trog seine Amplitude und tropft am
Montag Richtung Portugal/Westspanien ab. Die Luftmassengrenze verlagert sich
daher nur wenig, vielleicht sogar etwas retrograd und liegt weiterhin diagonal
über Deutschland. Außerdem liegt der Norden auf der Vorderseite des
Trogresiduums, so dass dort auch schauerartige Verstärkungen bzw. einzelne
Gewitter und lokaler Starkregen auftreten können. Mit der etwas aufsteilenden,
auf Süd drehenden Höhenströmung fließt in den Südosten Bayerns mit knapp 15 Grad
in 850 hPa noch etwas wärmere Luft ein. In der Nacht zum Dienstag schwenkt dann
das Trogresidum über dem Vorhersageraum ostwärts durch, so dass sich auch die
wellende Front „endlich“ ostwärts verlagern kann. Zudem streckt sich ein Keil
des Azorenhochs Richtung Mitteleuropa und dämpft allmählich die
Wetterwirksamkeit der Luftmassengrenze.

Am Dienstag verlässt das sehr kurzwellige Trogresiduum Deutschland ostwärts, am
Boden steigt der Druck weiter und es bildet sich ein eigenständiges Bodenhoch
über West- und Mitteleuropa. Nachfolgend wölbt sich ein Keil auf, dessen Achse
vom zentralen Mittelmeer in Richtung Britische Inseln gerichtet ist. Die
Luftmassengrenze und damit auch noch leichte Niederschläge ziehen damit
größtenteils ebenfalls ab. Durch Absinken lässt die Wetterwirksamkeit ohnehin
weiter nach, temperaturtechnisch macht sie sich wahrscheinlich noch im äußersten
Süden bemerkbar. Dort liegen die 850 hPa-Temperaturen bei Werten um 10 Grad,
ganz im Norden streift die 0 Grad-Isotherme.

Am Mittwoch verlagert sich der Rücken unter Aufrichtung seiner Achse ostwärts
und liegt damit direkt über Deutschland. Das korrespondierende Bodenhoch
verlagert seinen Schwerpunkt nach Osteuropa. Niederschläge werden demnach nicht
erwartet. Mit einer südlich bis südwestlichen Höhenströmung wird an der
Ostflanke des nach wie vor über der Iberischen Halbinseln befindliche Höhentief
wieder wärmere Luft mit 850 hPa-Temperaturen von 10 bis 14 Grad herangeführt. Im
Nordosten werden 3 bis 5 Grad in 850 hPa erwartet.

In der zweiten Wochenhälfte, als in der erweiterten Mittelfrist, soll sich die
Frontalzone mit einer Austrogung bei den Britischen Inseln von Norden allmählich
wieder Deutschland nähern. Das Höhentief über dem Mittelmeer schwächt sich ab,
gliedert sich an den neuen Trog an und wird auf dessen Vorderseite etwas
nordostwärts geführt, ein entstehendes Mittelmeertief könnte mit seinen
Ausläufern dann auch den Süden beeinflussen. Es dürfte sich eine zyklonale West-
bis Südwestlage einstellen, bei der sich das Wetter insgesamt wieder
wechselhafter gestaltet.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der vorliegenden EZMW-Läufe ist einschließlich des Wochenendes
sehr gut, die Phasen- bzw. Timingunterschiede sind minimal.

Ab Montag nimmt die Konsistenz des aktuellen EZMW-Laufs zu seinen Vorläufen
etwas ab. Im neuesten EZMW-Lauf von 00 UTC vergrößert der westeuropäische Trog
seine Amplitude stärker und tropft bereits im Laufe des frühen Montags Richtung
Portugal/Westspanien ab. Die Vorläufe vollzogen den Cut-off erst im Laufe der
Nacht zum Dienstag und ließen zudem das Höhentief etwas weiter östlich abtropfen
und in der Folge deutlich rascher Richtung westliches Mittelmeer ziehen. Demnach
plädiert der aktuelle Lauf für eine schnellere Wetterberuhigung zum Dienstag
unter Ausbildung eines Bodenhochs über West- und Mitteleuropa und deutet
keinerlei Einfluss des Mittelmeertiefs (Höhentiefs) auf das Wetter in
Deutschland an. Bei den Vorläufen sah das zumindest für den Alpenraum noch
unsicher aus, ob von Süden Niederschläge bis nach Deutschland ausgreifen können.

In der erweiterten Mittelfrist soll sich die Frontalzone mit einer Austrogung
bei den Britischen Inseln allmählich wieder dem Norden Deutschlands nähern.
Hierbei zeigen die vorliegenden EZMW-Läufe naturgemäß noch größere Unterschiede,
insgesamt dürfte sich das Wetter aber wieder wechselhafter gestalten.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Bis einschließlich Montag simulieren die anderen Betrachteten Globalmodelle
(ICON, GFS) die Grundstrukturen sehr ähnlich, erst in der weiteren Entwicklung
unterscheidet sich der Umgang mit dem abgetropften Höhentief.
Während ICON vor allem das Trogresiduum weniger markant simuliert als der
aktuelle EZMW-Lauf und ansonsten die Lösung des EZMW weitgehend stützt, hat GFS
dieses überhaupt nicht im Plan. GFS simuliert dafür das Höhentief deutlich
weiter östlich und einen sich ebenfalls weiter östlich aufwölbenden Rücken.
Damit würde sich nach Lesart von GFS das Bodenhoch weiter nördlich über
Südskandinavien etablieren und Deutschland im zyklonalen Einfluss auf der
Vorderseite des umfangreichen Höhentiefs und eines korrespondierenden
Bodentiefkomplexes über Westeuropa verbleiben. Von einer Wetterberuhigung könnte
dann keine Rede sein.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Clusterananlyse des EZMW liefert für den ersten Zeitraum (+72 bis +96 h) 3
Cluster mit 28, 14 und 9 Membern. Die Unterschiede sind marginal in der
Ausdehnung des westeuropäischen Troges. Im Zusammenspiel mit dem Wissen um die
Luftmassengrenze diagonal über Deutschland stützen diese Aussagen aber die
Unsicherheiten bzgl. der Details der Niederschlagsschwerpunkte.
Von Montag bis Mittwoch (+120 bis +168 h) werden 3 Cluster angeboten mit einem
stark besetzten 1. Cluster (30 Member, inkl. Haupt- und Kontrolllauf). Cluster 2
mit 12 Membern und Cluster 3 mit 9 Membern zeigen vom Grundgedanken zwar
Ähnlichkeiten, nämlich das Abtropfen des westeuropäischen Troges, allerdings ist
Cluster 2 deutlich langsamer als die Lösung des deterministischen EZMW-Laufes
(und Cluster 1) und Cluster 3 vollzieht den Abtropfprozess deutlich schneller
und lässt zum Mittwoch zudem den Rücken über Mitteleuropa deutlich stärker
aufwölben. Cluster 2 zeigt hingegen gar keinen Rücken, sondern weiter zyklonal
beeinflusstes Wettergeschehen.
Zur erweiterten Mittelfrist (Donnerstag bis Samstag, +192 bis +240 h) werden 4
Cluster gezeigt, Grundtenor ist eine zyklonal geprägte West- bis Südwestlage,
die nach Cluster 1 (15 Member) und Cluster 2 (14 Member) anhält, Cluster 3 und 4
(14 bzw. 8 Member) deuten die Aufwölbung eines Keils über Westeuropa an, von dem
dann auch Deutschland profitieren würde.

Die Rauchfahnen wurden am Beispiel Offenbach betrachtet. Hier werden im
Wesentlichen die Aussagen des Hauptlaufes gestützt: Das Temperaturniveau in 850
hPa ändert sich wenig, auch wenn der Spread insbesondere ab Montag etwas
zunimmt. Zum Mittwoch hin steigt das Temperaturniveau auch in der Mehrzahl der
Member. Die Niederschlagssignale sind am Wochenende und auch am Montag noch
reichlich vorhanden, in fast allen Membern wird dann aber für Dienstag und
Mittwoch kein Niederschlag vorhergesagt. Und auch das Geopotenzial steigt ab
Sonntag peu à peu an, bis einschließlich Sonntag mit recht geringem Spread. Nach
der Wetterberuhigung am Dienstag und Mittwoch mit recht hohem Geopotenzial und
nur wenigen Membern mit geringem Geopotenzial, deutet sich in der Rauchfahne
wieder ein Abfall des Geopotenzials an, was der im Hauptlauf gezeigten Variante
entspricht. Interessant ist, dass der Kontrolllauf auf höherem
Geopotenzialniveau verbleibt.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

WIND:
Am Samstag und Sonntag liefern sowohl EFI als auch die EPS-Verfahren deutliche
Signale für Föhn in den Alpen mit Sturmböen, zeitweise schwere Sturmböen auf
Alpengipfeln. Nur geringe Signale für Föhntäler mit Böen Bft 7.

DAUERREGEN:
EFI liefert für Samstag und Sonntag Signale im Bereich der wellenden
Luftmassengrenze und dort vor allem im Südwesten (Schwarzwald) für andauernde
Niederschläge, ob dabei tatsächlich Dauerregenwarnschwellen überschritten werden
bleibt abzuwarten. Die EPS-Verfahren zeigen den Schwerpunkt aktuell westlich
unserer Landesgrenzen.

STARKREGEN/GEWITTER:
Risiko für einzelne Gewitter und lokalen Starkregen am Montag im Norden.

Basis für Mittelfristvorhersage
EZ, EZ-EPS, EZ-MOS

VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger